Welche körperlichen Voraussetzungen sollte man für eine Schlittenhundetour mitbringen?

Die schönsten Erlebnisse entstehen nicht dort, wo man seine Grenzen ignoriert – sondern dort, wo Herausforderung, Sicherheit und Genuss in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Schlittenhundetouren gehören zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen des Nordens. Gleichzeitig werden von vielen Gästen die Anforderungen an die körperlichen und mentalen Voraussetzungen unterschätzt. Denn auch wenn die Hunde den Schlitten ziehen bedeutet das nicht, dass die Fahrt eine passive Angelegenheit ist.

Je nach Tourenart können Kälte, Dauerbelastung, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Ausdauer eine deutlich größere Rolle spielen als erwartet. Es erweist sich, dass viele Gäste gar nicht wissen, was sie erwartet und was für Anforderungen an die eigene Kondition gestellt werden.

Die Anforderungen unterscheiden sich durchaus erheblich zwischen einer zweistündigen Tour auf präparierten Wegen und einer mehrtägigen Expedition im Fjäll.

Sit-Only-Touren

Sit-Only-Touren sind kurze Fahrten mit einem Schlitten, der von einem Guide gesteuert wird. Gäste sitzen dabei auf dem Schlitten. Es gibt in dieser Kategorie Tourlängen zwischen 500 m und 10 km.

Typische Dauer: 1–2 Stunden, kurze Kreisfahrten dauern nur wenige Minuten.
Für wen geeignet? Nahezu alle gesunden Menschen.

Diese Touren sind eher eine winterliche Naturbeobachtung als eine sportlichen Aktivität.

Dennoch sollten Gäste in der Lage sein:

  • selbstständig in den Schlitten ein- und auszusteigen. Die Schlitten haben oft entweder eine schmale Sitzbank oder man sitzt eben und tief auf der Ladefläche. Das bedeutet, dass man in der Lage sein muss seine Beine über eine niedrige Reling zu heben und mit angezogenen Knien bzw ausgestreckten Beinen aufrecht für die Dauer der Tour zu sitzen . Für Menschen mit Knie- oder Hüftproblemen oder ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität kann das schwierig oder gar unmöglich sein.

  • kurze Strecken auf Schnee oder Eis zu gehen

  • längere Zeit im Freien bei Temperaturen bis deutlich unter dem Gefrierpunkt zu verbringen. Die meisten Anbieter sagen erst bei Temperaturen um die minus 30 Grad Touren ab.

Die größte Herausforderung ist meist nicht die körperliche Anstrengung, sondern die Kälte. Wer schnell friert oder gesundheitliche Einschränkungen hat, sollte dies vor der Buchung mit dem Veranstalter besprechen.

Selbstfahrertouren / Tagestouren


Bei dieser Variante fahren Gäste einen Schlitten mit 4-6 Hunden selbst. Es gibt Angebote bei denen man als Einzelperson einen Schlitten mit in der Regel 4 Hunden davor steuert oder dass sich 2 Gäste einen Schlitten mit 5-6 Hunden teilen. Die Streckenlänge dieser Touren beträgt in der Regel 4-20 km.

Typische Dauer: 1–4 Stunden
Für wen geeignet? Menschen mit normaler Grundfitness.

Viele Gäste stellen sich das Fahren eines Hundeschlittens ähnlich einfach vor wie Radfahren. Tatsächlich erfordert es deutlich mehr aktiven Körpereinsatz.

Auf Steigungen helfen Gäste den Hunden häufig durch Anschieben. In Kurven muss der Schlitten aktiv ausbalanciert werden. Bei schwierigen Schneeverhältnissen kann es notwendig sein, den Schlitten über kurze Abschnitte zu schieben.

Hilfreich sind:

  • gutes Gleichgewicht

  • normale Beweglichkeit

  • Fähigkeit, mehrere hundert Meter auf Schnee zu laufen

  • Bereitschaft, gelegentlich kräftig anzuschieben

  • der Passagier muss in der Lage sein, sich am Schlitten festzuhalten
Sportliche Höchstleistungen sind nicht erforderlich. Wer jedoch bereits beim Treppensteigen stark außer Atem gerät oder Probleme mit Knie-, Hüft- oder Rückenbelastungen hat, sollte dies berücksichtigen. Bei manchen Anbietern ist es möglich im Guideschlitten oder mit einem anderen Einzelreisenden mitzufahren. Einige Selbstfahrertouren werden mit Doppelschlitten angeboten. Das bedeutet, dass ein Gast fährt, der andere sitzt auf oder im Schlitten und nach der Hälfte der Strecke wird gewechselt. Das sollte man wissen, denn mit dem Extragewicht auf dem Schlitten ist es wahrscheinlicher, dass man an Steigungen mithelfen muss.

Mehrtägige Hüttentouren ( Wald, Tundra)

Typische Dauer: 3–6 Tage
Typische Distanzen: 80–250 Kilometer
Für wen geeignet? Aktive Menschen mit guter Grundfitness.

Mehrtägige Touren von Hütte zu Hütte stellen einen deutlichen Sprung in den Anforderungen dar. Hier fahren die Gäste ihren eigenen Schlitten mit 4-6 Hunden und stehen für einige Stunden auf dem Schlitten, die Belastung entsteht durch die Dauer der Reise.

Mehrere Stunden täglich auf dem Schlitten bedeuten:

  • wiederholtes Auf- und Absteigen

  • regelmäßiges Anschieben an Steigungen

  • Arbeit beim Versorgen der Hunde (Futter vorbereiten, Wasser aus einem See holen, Kot entfernen, Schlitten vorbereiten, einspannen/ausspannen)

  • Tragen persönlicher Ausrüstung

  • Belastung durch Kälte, Wind und wechselnde Wetterbedingungen

  • die Tatsache mehr Zeit an der frischen Luft zu verbringen als gewohnt.

Entscheidend ist weniger rohe Kraft als Belastbarkeit über mehrere Tage hinweg. Wer regelmäßig wandert, Rad fährt, Ski läuft oder andere Ausdauersportarten betreibt, bringt in der Regel gute Voraussetzungen mit.

Expeditionstouren im Fjäll

typische dauer:In der Regel dauern diese Touren 6 Tage und man legt in dieser Zeit etwa 120 Kilometer zurück, aber auch Touren von 10 bis zu 21 Tagen sind möglich. Übernachtungen in Berghütten oder Zelten.
Für wen geeignet? Erfahrene Outdoor-Enthusiasten mit guter bis sehr guter Fitness, die bereits eine Mehrtagestour mit Huskys absolviert haben.

Expeditionstouren sind keine verlängerten Tagestouren. Sie sind eigenständige Abenteuerreisen in abgelegenen Bergregionen. Bei vielen Anbieter transportiert jeder Gast alles was er für die Dauer der Tour braucht sowie Equipment und Nahrung für die Hunde in seinem Schlitten. Es gibt allerdings auch Touren die mit Versorgungsschlitten – oder Schneemobilen arbeiten.

Besonders in den Bergen können Wetter, Schnee und Gelände den Charakter einer Tour innerhalb weniger Stunden verändern.

Teilnehmer sollten darauf vorbereitet sein:

  • mehrere Stunden täglich aktiv auf dem Schlitten zu stehen

  • regelmäßig an Steigungen mitzulaufen und den Schlitten zu schieben

  • den Schlitten in schwierigem Gelände zu kontrollieren

  • auch bei Sturm, Kälte und schlechter Sicht handlungsfähig zu bleiben

  • körperlich und mental an mehreren Tagen dem Wetter und den Elementen ausgesetzt zu sein

Auf manchen Abschnitten kann das Anschieben oder Mitlaufen mehrere Kilometer pro Tag umfassen. Tiefer Schnee, Wind mit Sturmstärke und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt erhöhen die Belastung zusätzlich.

Zelttour vs Hüttentour – worin liegen die Unterschiede?

Für Gäste wirken beide oft ähnlich: Man fährt mehrere Tage mit dem Hundeschlitten durch die Berge. In der Praxis unterscheiden sich Hüttentouren und reine Zeltexpeditionen jedoch grundlegend. Der Unterschied liegt weniger in den gefahrenen Kilometern als in der Frage, wie unabhängig man von Infrastruktur sein möchte.

Hüttentouren: Wildnis mit Rückzugsort

Bei Hüttentouren dient die Hütte als täglicher Ankerpunkt. Selbst wenn die Tagesetappen anspruchsvoll sind, wartet am Abend ein beheizter Raum, ein trockener Schlafplatz und Schutz vor Wind und Wetter.

Für die Teilnehmer bedeutet das:

  • deutlich weniger Ausrüstung auf dem Schlitten

  • geringere körperliche Belastung beim Lageraufbau

  • bessere Möglichkeiten zum Trocknen von Kleidung und Schlafsack

  • höherer Komfort und bessere Erholung

  • geringere Konsequenzen bei schlechtem Wetter

Die Herausforderung liegt hier vor allem in den Tagesetappen, nicht im Camp-Alltag. Wer nach stundenlanger Fahrt erschöpft ankommt, kann sich meist direkt auf Erholung freuen.

Zelttouren: Die Wildnis endet nicht am Abend

Auf einer Zeltexpedition endet der Tag nicht mit der Ankunft. Er beginnt oft dann erst richtig.

Nach mehreren Stunden auf dem Schlitten müssen die Teilnehmer :

  • Zelte aufbauen

  • Schnee verdichten

  • Schlafplätze vorbereiten

  • Wasser gewinnen

  • kochen

  • Ausrüstung organisieren

  • Hunde versorgen

Alles bei Minustemperaturen und starkem Wind oder Schneefall. Während Gäste einer Hüttentour nach dem Abendessen häufig am Ofen sitzen, arbeiten Teilnehmer einer Zeltexpedition oft noch lange weiter.

Wetter bekommt eine völlig andere Bedeutung

Bei Hüttentouren ist schlechtes Wetter unangenehm. Bei Zeltexpeditionen wird es zum zentralen Faktor.

Starker Wind, tiefe Temperaturen, Schneefall oder schlechte Sicht beeinflussen nicht nur die Fahrt, sondern auch:

  • die Qualität des Lagers

  • die Nachtruhe

  • den Energieverbrauch

  • die Sicherheit

Eine stürmische Nacht bei minus 25 Grad kann körperlich anstrengender sein als die eigentliche Tagesetappe.

Höhere Eigenverantwortung

Je weiter man sich von Hütten entfernt, desto wichtiger werden Eigenständigkeit und Belastbarkeit.

Auf Zeltexpeditionen sollten Teilnehmer bereit sein:

  • aktiv mitzuarbeiten

  • Verantwortung für ihre Ausrüstung zu übernehmen

  • auch bei Erschöpfung handlungsfähig zu bleiben

  • mehrere Tage auf Komfort zu verzichten

Man wird weniger Gast und mehr Teil der Expedition.

Psychologische Unterschiede

Oft unterschätzt wird die mentale Komponente. Eine Hütte bedeutet Licht, Wärme, Trockenheit und einen geschützten Raum. Ein Zelt bedeutet, dass man auch nachts Teil der Landschaft bleibt. Man hört den Wind unmittelbar. Man spürt die Kälte stärker. Man erlebt Wetter und Wildnis ungefiltert.

Für viele ist genau das der Reiz einer Zeltexpedition. Andere stellen fest, dass sie die Abgeschiedenheit und Einfachheit deutlich fordernder erleben als die körperliche Belastung.

Für wen eignet sich was?

Hüttentouren eignen sich besonders für Menschen, die:

  • mehrere Tage in den Bergen mit Hundeschlitten unterwegs sein möchten

  • Natur und Wildnis erleben wollen

  • Wert auf Erholung und Komfort legen

  • sich auf das Fahren der Schlitten konzentrieren möchten


Zeltexpeditionen richten sich eher an Menschen, die:

  • bereits Outdoor-Erfahrung in den Bergen besitzen

  • Freude an einfachen Lebensbedingungen haben

  • aktiv am Expeditionsalltag teilnehmen möchten

  • die Wildnis möglichst unmittelbar erleben wollen


Eine gute Orientierung für beide Tourvarianten bietet folgende Frage:

Würde ich mir zutrauen, sechs Tage lang täglich mehrere Stunden bei Minustemperaturen, starkem Wind, Dauerschneefall etc. in winterlicher Berglandschaft unterwegs zu sein?

Wer diese Frage ohne Zögern mit Ja beantworten kann, bringt meist die richtige Einstellung für eine Expedition mit.

Die wichtigste Voraussetzung:
Realistische Selbsteinschätzung

Unabhängig von der Tourenart ist die wichtigste Eigenschaft weder Kraft noch Ausdauer.

Es ist die Fähigkeit, die eigenen Grenzen und Limitierungen ehrlich einzuschätzen. Körperliche Leistungsfähigkeit und Expeditionsfähigkeit sind nicht dasselbe. Wer im Fitnessstudio Gewichte bewegt, ist deshalb nicht automatisch darauf vorbereitet, sechs Tage lang bei Gegenwind, Kälte und eingeschränktem Komfort unterwegs zu sein.

Die meisten Probleme auf Schlittenhundetouren entstehen nicht durch mangelnde Fitness, sondern dadurch, dass Gäste ihre körperlichen und auch mentalen Voraussetzungen überschätzen oder wichtige gesundheitliche Einschränkungen verschweigen. Es kommt immer wieder vor, dass Gäste körperlich und/ oder mental einbrechen, weil sie erkennen müssen, dass sie gerade an ihre Grenzen kommen.

Ein seriöser Anbieter wird deshalb immer offen über die Anforderungen einer Tour sprechen und im Zweifel lieber zu einer leichteren Variante raten.

Denn die schönsten Erlebnisse entstehen nicht dort, wo man seine Grenzen ignoriert – sondern dort, wo Herausforderung, Sicherheit und Genuss in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.





Wenn ihr euch unsicher seid, welcher Tourtyp für euch der richtige ist oder ihr weitere Fragen habt dann könnt ihr euch gerne unter folgender Email mit uns in Verbindung setzen: info@ethical-dogsledding.com

Wir helfen euch gerne dabei die passende Tour zu finden.

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